Vom Gegner zum Partner – Gedanken zu Konfliktlösungen

Vom Konflikt-Gegner zum Wachstums-Partner.

Nicht kämpfen gegen …   sondern Grenzen setzen für

Konfliktlösung durch Perspektivenwechsel

Das Schwert in der Gesellschaft ist unsere „scharfe Zunge“ (innen liegend), mit der allzu häufig Verletzendes geäußert wird. Die kriegerisch anmutende Schwertarbeit kann hingegen Frieden stiften: Sie kann Wege zur Lösung von Konflikten aufzeigen, die mit Gesprächs- und Verhaltenstherapie zwar zu erkennen, aber nur teilweise aufzulösen sind. Der Grund liegt darin, dass körperlich gespeicherte Spannungen in Bezug zur eigenen aggressiv-positiven Lebenskraft zutage treten, sobald wir mit dem äußeren Schwert in Berührung kommen.

Körpererinnerungen und tiefer liegende Impulse werden mit dieser Therapie- oder Coaching-Methode neu und konstruktiv in Bewegung übersetzt. Viele Konflikte entstehen, weil sich die Kontrahenten zu wenig bewusst sind, was sie wirklich wollen, oder Angst haben, sich durchzusetzen. Eine weitere Ursache für Konflikte sind „nicht gesetzte Grenzen“; ein klares eindeutiges Stopp wird vermieden. Damit wird dem Gegenüber signalisiert: „Ich gebe nach und vertraue, dass du dies nicht ausnutzt.“ Was aber, wenn diese Nachgiebigkeit kein bewusster Akt, sondern eine gelernte Gewohnheit ist? Die eigenen Grenzen werden missachtet.

Probleme kann man niemals mit

derselben Denkweise lösen,

durch die sie entstanden sind.

Albert Einstein

 In der Kombination von Gewaltfreier Kommunikation (GFK) und Gesprächstherapie können viele Aspekte bearbeitet werden. Sobald jedoch in der Schwertarbeit das Gelernte in Bewegung gebracht werden soll, zeigt sich, dass im Körper noch die alten Muster gespeichert sind und in der Körpersprache zum Ausdruck kommen.
Ein Hintergrund kann sein, dass der Archetyp der inneren Kriegerin/des inneren Kriegers unterentwickelt ist. In der Schwertarbeit wird also eine neue Bewegung geübt und als Haltung internalisiert. Wir kennen das alle. Ein Gegenüber, dessen Körperhaltung etwa Selbstbewusstsein und die Bereitschaft „vorwärts zu gehen“ signalisiert, oder auch „ich bin bereit meinen Standpunkt zu vertreten“, oder „ich stehe hier und wenn du meine Grenze missachtest, könntest du dich verletzen“, wird auf den ersten Blick anders wahrgenommen, als ein Mensch, der Rückzug ausstrahlt.

Das Schwert zeigt nach außen
und führt nach innen …

In der Kombination der oben genannten Therapie- bzw. Coachingformen mit der Schwertarbeit wird der Archetyp der inneren Kriegerin/des inneren Kriegers im Körper aktiviert und präsent. Die Haltung wird aufrecht, das Gefühl für den eigenen Standpunkt verbessert sich augenblicklich – und kann geübt werden. Ein Klient äußerte sich nach einem Workshop: „Das Schwert zeigt nach außen und führt nach innen – eine interessante Erfahrung. Ich war plötzlich ganz anders mit mir in Kontakt.“
Während der Schwertarbeit werden die Übungsschwerter in beständiger Berührung geführt. Kontakt steht im  Vordergrund (anders als in Mantel- und Degenfilmen). Es entsteht automatisch eine – in den Handflächen spürbare – Reibung. Diese Form von Körperarbeit entstammt der initiatischen Gestalttherapie nach Karlfried Graf Dürkheim. Gearbeitet wird mit dem Bokken, einem Samurai-Schwert aus Holz.
So artikulierte eine Klientin in der Beschreibung des Konflikts mit ihrem Arbeitgeber – „Am liebsten würde ich ihn umbringen“ – sehr deutlich, was sie anscheinend fühlte. In der Bewegung mit dem Schwert äußerte sich dieser Impuls allerdings als sanftes Streicheln mit der Breitseite des Schwertes. Auf den Widerspruch von Wort und Bewegung aufmerksam gemacht, erschrak sie und konnte die Bewegung sofort als ihre Handlungsweise in den aktuellen Gehaltsverhandlungen identifizieren.
Sie hatte zwar alle Vorteile in der Hand, auch in den Gesprächen mit der Geschäfts-leitung, war aber aufgrund früherer Erlebnisse nicht in der Lage, diese für sich zu nutzen. Dies wurde durch die Bewegung sichtbar und spürbar. Die Ursache konnte sie in weiteren Settings finden und klären. Im aktuellen Konflikt äußerte sich das dann mit dem entsprechenden Gehalt und einem Arbeitsplatz nach ihrer Vorstellung.

Da jeder Mensch anders agiert, wie z. B. im Enneagramm dargestellt, ist die Schwertarbeit als Ergänzung und in Kombination mit anderen Coaching- und Therapieformen sehr hilfreich. In Deutschland fallen noch die beiden Weltkriege des letzten Jahrhunderts ins Gewicht: In jedem Menschen ist diese archetypische Lebenskraft der Kriegerin/des Kriegers angelegt. Leider hatten die Kinder und Enkel all derer, deren Eltern und Großeltern noch von dem Geschehen der Kriege in Europa geprägt waren, keine entsprechenden Vorbilder. Traumatisiert konnten sie ihren Kindern und Enkeln kein Vorbild sein und zeigen, wie diese Lebenskraft konstruktiv gelebt wird. Häufig wird sie unterdrückt und bricht sich destruktiv in Konflikten Bahn – verbal und nonverbal.
Das kann durch das Ausagieren im Kampf passieren, oder als Rückzug, wenn präsent seinen Standpunkt zu vertreten besser wäre. Im Setting erteile ich die Erlaubnis, dieser Kraft Ausdruck zu geben. So kann die Lebensenergie durch das Schlagen auf Kissen und ähnliche Methoden geweckt werden. Mit dem Medium Schwert kommt eine klare Ausrichtung hinzu.

Berührungspunkte sind

Reibungspunkte,

an denen man wächst.

Eine andere Klientin meinte nach einem einstündigen Schwertcoaching: „Durch den kurzen Einblick in die Schwertarbeit mit Helmut Konrad wurden mir alte Strukturen mehr bewusst. Es war, als wenn der Bewusstseinsschleier komplett weggenommen oder ein Schalter umgelegt worden ist. Jetzt greift in bestimmten Situationen die Erinnerung an Helmuts treffende Worte ‚Berührungspunkte sind Reibungspunkte, an denen man wächst‘. Das wirkt wie ein Klickschalter.“
Ein Thema wird auf den Punkt gebracht und mit einer entsprechenden Körperbewegung abgeschlossen, indem z. B. eine Grenze definiert wird und so der Entstehung eines Konfliktes vorgebeugt wird. Um einen Konflikt zu lösen, ist es manchmal auch nötig, sich von alten, liebgewonnenen Gewohnheiten zu lösen und – bildlich gesprochen – mit einer Entscheidung (dem Schwert) Altes abzuschneiden. Hier wird ein weiterer Aspekt des Kriegerarchetypen sichtbar. Er kennt den Unterschied zwischen Nachgeben und Aufgeben und muss deswegen nicht jede Herausforderung annehmen, um sein Ego zu befriedigen. Ein Krieger entscheidet bewusst, ob er sich in einen Konflikt hineinziehen lässt, ob es vielleicht besser ist nachzugeben, ob er sich seiner Schwächen und Stärken aktuell bewusst ist und einen möglichen Konflikt heil übersteht. Heil an Körper, Seele und Geist. Das heißt, er steht mit der inneren Haltung friedlich und sich selbst bewusst. Die Basis für diese Haltung ist unbedingte Liebe zum Leben.

Das Schwert ist ein weltweit

in der Tiefenseele verankertes Symbol

Winfried Wagner

Erkennbar wird das meistens erst, wenn das innen liegende Schwert, die Zunge, nach außen durch das Medium Schwert sichtbar gemacht wird. Die Bewegung wird ungewohnt spürbar.
Sobald ein Coachee oder Klient erkennt, dass er für die Bewegung  verantwortlich ist, wird auch klar, dass ein Stück Holz oder Metall erst durch ihn zur Waffe wird. Dann kann innerer Frieden einkehren und sich im Außen manifestieren. Meine Aufgabe als Coach oder Therapeut sehe ich darin, Klienten darin zu unterstützen, sich selbst eindeutiger wahrzunehmen. Also wie ein Schwert, welches es achtsam und vorsichtig zu führen gilt – der Liebe zum Leben verpflichtet. Es geht also darum, die aggressive, förderliche Lebenskraft anzuerkennen und gewaltfrei einzusetzen.
Sobald dies geschieht, verändern sich in der Regel die Außenkontakte von der Problem- hin zur Lösungsorientierung, denn die wenigsten wollen verletzen. Dass es dabei Widerstände zu überwinden gilt, wird als normal wahrgenommen. Man reibt sich aneinander. Allerdings steht nicht der Reibungsverlust im Fokus, sondern der Reibungsgewinn.
Ein Bild: Streichholz und Schachtel „erleiden“ an der Reibfläche der Schachtel einen „Verlust“. Unser Fokus ist jedoch von vorneherein auf den Gewinn ausgerichtet – Licht und Wärme.

Als Therapeut bin ich geübt und sicher im Umgang mit dem Medium Schwert. Setting und Ziel werden festgelegt und klare Handlungsanweisungen geben dem Klienten die Sicherheit in der ungewohnten Aktion. In der Regel arbeitet ein Klient zuerst ohne Gegenüber. Er fühlt sich selbst, seine Haltung, die Ausrichtung auf seine innere Mitte und worauf er/sie wirklich konzentriert ist. Sein Körper meldet sofort zurück, wenn es eine Divergenz zwischen (äußerer) Körperhaltung und innerer Haltung gibt.